Handlungsfeld 2: Metadaten als Schlüssel für den Zugang zu Wissen
Ist-Szenario
Metadaten sind strukturierte Daten über Daten, sie folgen definierten syntaktischen und semantischen Regeln. Sie spielen im Bibliotheksbereich traditionell eine wichtige Rolle, wenn es um das Beschreiben und Finden von Informationsressourcen durch einrichtungsübergreifend vereinheitlichte Beschreibungen und definierte Such- und Zugangswege zu Wissensressourcen geht. Dabei steht die Publikation von Objekten im Mittelpunkt, deren Auffindbarkeit durch verknüpfungsfähige und portierbare Metadaten sichergestellt werden soll. Ihnen allen gemein sind nicht nur der Strukturierungsgrad und die Granularität der Information, sondern auch die technische und semantische Austauschbarkeit dieser Informationen zwischen unterschiedlichen Systemen und Fachdomänen. Auch in der Privatwirtschaft (z.B. in der Logistik) und bei jeder Recherche im Internet spielen Metadaten und entsprechende Metadatenmanagementwerkzeuge eine wichtige Rolle.
In wissenschaftlichen Bibliotheken und Informationseinrichtungen fungieren Metadaten zunächst als essenzielles Werkzeug, um Wissensressourcen zu verwalten und
für die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen und Quellenmaterial zu sorgen. Sie entstehen automatisiert oder werden von Forschenden
und Bibliothekarinnen und Bibliothekaren generiert sowie kontinuierlich angereichert wie aktualisiert. Sie sind zugleich die Basis für die kooperative Zusammenarbeit und
den Datenaustausch zwischen Einrichtungen wie digitalen Forschungsinfrastrukturen und bilden das Rückgrat der Arbeit in Verbundsystemen, die eine zentrale Rolle beim Austausch von bibliografischen Informationen zwischen verschiedenen Bibliotheken und Informationszentren spielen.
In Kombination mit persistenten Identifikatoren und Normdaten haben Metadaten über ihren unmittelbaren Nutzen beim zielgerichteten Suchen und Finden von Information hinaus grundlegende referenzierende bzw. relationierende Wirkung und werden zunehmend auch außerhalb des bibliothekarischen Feldes genutzt. Mit Hilfe von Normdaten und persistenten Identifikatoren in den Metadaten können Personen und Körperschaften eindeutig referenziert werden. Zudem können digitale Querverweise zu Werken, Begriffen, Forschungsdaten, wissenschaftlicher Software, aber auch zu Gegenständen aus der dinglichen Welt wie Messsonden, Aufzeichnungsgeräte oder physische Proben zur Abbildung kommen. Die wechselseitige Integration dieser Identifikatoren in das bibliothekarische Arbeitsumfeld wie umgekehrt der bibliothekarischen Normdaten in das Umfeld der Fachdomänen funktioniert bislang allerdings nicht nahtlos, die Erschließungswelten existieren oft nebeneinander. Ein weiterer relevanter Verwendungszusammenhang für Metadateninformationen ergibt sich mit den Werkzeugen des Semantic Web, mit denen bspw. Metadaten als Linked Open Data publiziert und für neue Wissenserkenntnisse verknüpft werden. Auf der Basis von Ontologien, die als Wissenssysteme Begriffe und Begriffszusammenhänge abbilden, entstehen disziplinäre, viele Quellen integrierende Knowledge Graphen als erweiterter Zugang zu integriertem Wissen. Hierfür bilden Daten (beschreibende Metadaten und Normdaten) aus dem Bibliotheksbereich einen wichtigen Baustein, der mit Metadaten aus anderen Domänen und internationalen
Identifikatoren verknüpft werden muss. In einigen Fachdomänen wird über die bibliografischen Metadaten hinaus wissenschaftlicher Kontext durch die Integration von kontrollierten, strukturierten, fachspezifischen, maschinenlesbaren Vokabularien hergestellt, die die Basis für Ontologien darstellen können.
Metadaten und ihre Nutzung sind damit wichtige Elemente der Transformation hin zu einer funktionierenden Open-Science-Forschungslandschaft, die in der Prestige nicht
mehr primär über Verlagsmarken, Zitationsmetriken und Ähnliches erworben wird, sondern zunehmend auch Forschungsdaten und wissenschaftliche Software in die Bewertungskriterien wissenschaftlicher Leistung einfließen. Dies wird auch durch Initiativen wie die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) und die Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) aktiv vorangetrieben.
Ziel-Szenario 2030
In enger Zusammenarbeit von Wissenschaft, Bibliotheken und Technologieentwicklern werden die Potenziale von Metadaten besser ausgeschöpft und der nahtlose Zugang zu Wissen weltweit verbessert. Strukturierte, gemeinsamen Standards folgende, interoperable Metadaten sind die übergreifend akzeptierte Grundlage für die Integration, die Verteilung und den Austausch von Wissen. Die Bibliotheken und ihre Organisationsformate wie das FID-Netzwerk (Netzwerk der Fachinformationsdienste) sind Teil strategischer Partnerschaften mit Forschungsinfrastrukturen wie der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Sie stellen ihre Normdaten in einfach nachnutzbarer Form zur Verfügung und bringen ihre Kompetenzen bei der Etablierung und Ver- bzw. Bearbeitung von Metadaten auch jenseits der eigenen Arbeitsfelder wirksam ein. Bibliotheken agieren als wichtige Knotenpunkte, insbesondere bei der Proliferation vertrauenswürdiger Daten im integrierten Informationsnetzwerk für (Meta-)Daten und Publikationen. Die Bibliotheken haben ihre Identifikatoren-Systeme für andere Domänen geöffnet und integrieren ihre disziplinären wie fachlichen Identifikatoren und Vokabularien in diese nahtlos.
Die Kompetenz, Daten zu produzieren, zu integrieren, sie aufzubereiten und dauerhaft zugänglich wie nachnutzbar zu halten, ist als Qualität von Bibliotheken akzeptiert. Die sich aus der raschen technischen Entwicklung – insbesondere beim Einsatz von KI und neuronaler Netze zur effizienten Inhaltserschließung oder der Anreicherung und Verknüpfung von Massendaten – ergebenden Potenziale für die Erstellung und Veröffentlichung von qualitätsgesicherten Datensets werden genutzt. Die Nutzung maschineller Verfahren, wie z.B. zur maschinellen Identifikation von möglichen Fehlern/Anomalien in großen Datensammlungen, die inhaltliche Verknüpfung zwischen Objekten, aber auch die qualitätsgesicherte Inhaltsextraktion aus Daten unter Nutzung von Normdaten sind dabei wichtige Einsatzbereiche.
Wissenschaftliche Bibliotheken passen ihre Metadatenstrategien vor diesem Hintergrund kontinuierlich an, sie koordinieren sie in größeren Arbeitszusammenhängen auch jenseits der Bibliothekscommunity, um den steigenden Anforderungen an Interoperabilität, Offenheit und Vernetzbarkeit von Metadaten gerecht zu werden. Heute bestehende Verbundstrukturen werden
stärker zusammengeführt und integriert, um weitere Akteure erweitert und zu technisch und organisatorisch flexiblen Strukturen weiterentwickelt. Fachlich etabliert sich die Einsicht, dass Metadaten immer weniger statisch fixierte Zugangspunkte zu Wissen darstellen, sondern dass in der Kombination von Metadaten (auch aus anderen Domänen) und semantisch ausgerichteten technischen Suchsystemen mehrdimensionale Suchen in heterogenem Material ermöglicht werden.
Konkret sichtbar wird dies am Nutzwert von Metadaten bei natürlichsprachlichen Suchen, auch multilingual. Aus der kooperativ verteilten und weiterentwickelten Expertise zu Metadaten heraus ergibt sich eine besondere Kompetenz bei der Entwicklung von Datenmanagementwerkzeugen und Datenverteildiensten: Mit ihren technischen Werkzeugen und Services für die Aufbereitung, Anreicherung und Verdichtung von Metadaten sind Bibliotheken ein wichtiger Anlaufpunkt in der Informationsinfrastruktur, insbesondere wenn es um die Beratung und Unterstützung bei der Strukturierung und Integration von Wissensbeständen geht. Dabei spielt die Expertise bei der Nutzung von KI-gestützten Werkzeugen zur Erzeugung verlässlicher Daten eine besondere Rolle.
Einflussfaktoren
- Fortlaufende Innovationen im Bereich des Semantic Web, Linked Open Data und KI-Technologien
- Wachsende Bedeutung von Open Science in allen Wissenschaftsbereichen und der Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten
- Internationale Standards wie RDF und Normdaten (z.B. GND)
- Granularität von Metadaten, bspw. bei disziplinären RDF-Vokabularien
Anforderungen an Bibliotheken
- Regelmäßige Aktualisierung von Strategien und Regelwerken sowie Ausbau des Fachwissens
- Steigerung des Automatisierungsgrades bei der Erstellung und Verwaltung von Metadaten
- Ausweitung der bislang bibliothekarischen Metadatensysteme für die Nachnutzung durch andere Communities
- Sicherstellen der Nachverfolgbarkeit von Forschungsprozessen und die digitale Verknüpfung von Forschungsdaten und -ergebnissen
- Entwicklung von Metadatenstrategien unter Berücksichtigung persistenter Identifikatoren
Anforderungen an Träger und Förderer
- Unterstützung der Entwicklung und Implementierung neuer Technologien wie Semantic Web, Linked Open Data und KI in Bibliotheken
- Bereitstellung finanzieller und infrastruktureller Ressourcen für Ausbau und Pflege von Metadateninfrastrukturen
- Förderung und Mitgestaltung internationaler Standards zur Gewährleistung der Interoperabilität und Qualität der Normdaten
- Förderung der engen Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken, Wissenschaftlern und Technologieentwicklern im Bereich Metadaten
- Herstellung geeigneter rechtlicher Rahmenbedingungen, damit Publikationen und Metadaten frei zugänglich zur Verfügung stehen